Love is in the air - Gedanken über Liebe und Beziehung

In fast jeder Beziehung kommen sie früher oder später.

Die Krisen und ungewissen Zeiten. Die Zeiten in denen das Kribbeln im Bauch zum mehr oder weniger leichten Bauchkrampf mutiert.

 

Auch in meiner Beziehung war es nicht anders.

In all den Jahren hätten meine Frau und ich mehr als 1000 Gründe gehabt aufzugeben. Und glaube mir, wir haben wirklich harte Zeiten hinter uns. Aber wir haben immer nach dem wahren Grund gesucht. Nach dem Grund, der uns weitermachen lies.

Denn die Kunst einer guten und tragfähigen Beziehung ist es, auch und gerade die schweren Zeiten gemeinsam zu überstehen.

Den Zweifel und den zu hohen Erwartungen entgegen zu wirken. Und zwar gemeinsam. Sich gemeinsam zu erden und an gemeinsamen Dingen immer wieder weiter zu bauen. Eine gute, tragfähige und von Liebe erfüllte Beziehung ist ein Bauwerk, an dem beide Partner jeden Tag mit Ehrfurcht arbeiten müssen. Dann entsteht etwas wirklich Großes.

Dann wächst die Liebe, Tag für Tag und Stück für Stück.

Dann merkst du: Die wahre Liebe kannst du nicht finden - sie findet dich.

 

Schwere Beziehungszeiten macht auch Paul, der Protagonist aus meinem Roman Sehnsuchtswege, durch.

Hier liest du einen Auszug aus dem Kapitel 6 - Der Wunsch, die wahre Liebe zu finden.

 

Paul denkt nach:

Eine Ehe hat viele Vorteile: Jeder weiß, woran er beim anderen ist – oder glaubt es zumindest zu wissen. Man weiß, was einen erwartet und was man letzten Endes für seinen Einsatz bekommt – ein praktisches, operatives Lebensmodell für zwei Menschen, ein schönes Rechenmodell, eine temporäre, wirtschaftliche Dauerverbindung, hin und wieder auch mit Emotion und gelegentlich sogar mit Sex. Wow!

Was will man da noch erwarten, was soll da noch Großartiges kommen? Wo bleibt der Raum für kleine oder zumindest gemeinsame Abenteuer? Wo zum Teufel bleibt denn da der Kick?, hat er sich irgendwann immer öfter gefragt und dabei sein fest im Hafen der Ehe vor Anker liegendes Schiff betrachtet.

Klar, ein Mittvierziger ist auch keine schnittige Hochseeyacht mehr, aber immer noch ein spritziges Motorboot, mit dem Frau jede Menge Spaß haben konnte, wenn sie denn wollte.

Will Sie das überhaupt noch? Warum wollte sie eigentlich von Jahr zu Jahr immer weniger von mir? Wo sie doch alles hatte, vor allem mich?, grübelt er über den Routineverschleiß seiner Ehe nach.

Nichts war mehr so, wie es früher einmal war. Es fiel ihm zunehmend schwerer ihre Liebe wahrzunehmen. Rauschen im Kanal.

Die Liebe war einfach nicht mehr störungsfrei zu empfangen. Die Antennen waren in die Jahre gekommen und verrostet.

Oder aber die Signale von ihrem Liebessender sind einfach zu schwach geworden, die Batterie des Senders ist durch all die Jahre Dauersendungsbetrieb einfach leer geworden.

Aber muss das wirklich so sein?, fragt er sich, bereit den nächsten Schritt zu gehen.